Leben?

Ein Blatt im Wind,

heftig hin und her flatternd,

dann langsam schwebend,

sich leise wiegend

im Hauch des Windes sanft ein her,

immer schneller der Erde entgegen kommend.

Da wirbelt es noch einmal nach oben,

zieht davon im Sog des Windes,

wird getragen immer und immer,

bleibt es unstet, rastlos, ruhelos.

Suchen

Ich laufe irrend,

suchend im Kreis.

Wo kann ich abbiegen?

Ich renne gegen Wände.

Ich kann ihn nicht finden,

den Weg.

Vor mir gähnende Leere.

Ich habe Angst,

suche doch das Ziel.

Was soll ich tun?

Ich muss mich entscheiden.

Ich schreie um Hilfe.

Und bin doch allein.

Wann werde ich ihn finden,

den Weg?

Schatten
Auf steilen Klippen steh ich,
das Meer unter mir
wirft seine hohen Wellen an die Felsen.
Ein lautes Rauschen der Brandung,
das Wasser grau, die Gischt weiß.
Nur der Wind ist bei mir,
fährt leise mir durch's Haar.
Die Sonne steigt ab,
wirft Schatten weiter und weiter
die grünen Weiten der Wiesen und der sanften Hügel
entlang und allmählich
weiter hinauf in den Himmel.
Ich sehe in die Ferne, die unendlich mir scheint hier.
Da, als um mich schon Dämmerung ist
und einzig der Himmel noch Leuchten,
kommst du.
Gemeinsam stehen wir beide in weite mächtige Schatten gesunken
am Meer.

Du

Durch die dunkle Nacht fahre ich.
Dir entgegen.

Es regnet.
Der Wind peitscht die Tropfen an die Scheiben.
Die Strasse ist nass und glatt.

Meine Gedanken sind längst bei dir.
Nicht träumen,
einzig Sehnen ist in mir.
Will bei die sein,
will dich umarmen,
mich anlehnen,
dich berühren.
Deine Kraft in mich aufnehmen.
Mich schmeigen in deine Geborgenheit.

Angekommen bin ich.
Kann mich fallen lassen.
Du bist da.
Wohlige Zweisamkeit.
Ein Blick von dir.
Deine Augen tief in meiner Seele.
Endlich spüre ich Ruhe und Frieden.
Auch ohne Worte wissen wir von unserer Liebe.

Morgens fahre ich heim.
Nehme die Sonne mit.
Ihr Strahlen wärmt mich
hin zum nächsten Mal.

 

Im Garten

 

Die Menschen hatten sich auf ihrer überdachten Terrasse zu einem gemütlichen Abend bereit gemacht. Sie redeten und tranken ein Glas frischen Weißwein.

Herr Amsel flog, Frau Amsel im Visier, auf den frischen grünen Rasen und hüpfte auf seinen beiden Beinchen vorsichtig in ihre Nähe und meinte im tiefen Bass:“ Ach komm schon, jetzt lass es uns doch noch einmal versuchen, ich weiß doch, dass du es auch willst!“

Kokett stakste Frau Amsel einige Schritte weiter. Wie selbstverständlich rupfte sie im Gras umher, aber eigentlich, ohne etwas zu finden dort.

„Flieg doch wieder in die Tanne und mach einer anderen den Hof, das kannst du doch sehr gut, du Dandy du.“, lispelte sie und flog einfach von dannen.

„Weiber, alle bescheuert!“, krakeelte Herr Amsel . Scharrte noch ein wenig auf dem Rasen umher, flog der Dame dann aber doch hinterher.

Familie Taube hatte unterdessen ein großes Beet im Garten unter ihre Fittiche genommen . Gemächlich schritten sie über die Holzspäne und fanden hie und da etwas für ihr Nest.

„Findest du nicht auch, dass es heute wieder besonders heiß war mein Schatz und dann dieser Krach wieder in unserer Tanne, es werden ja immer mehr Nachbarn.“, ereiferte sich Frau Taube gegenüber ihrem Mann. Der hob seine Flügel kurz, flatterte ein größeres Stück entfernt von seiner Frau weg und brummelte:“ Ach Gott verschon mich doch mit deinem Alltagsgeschwätz.“

Gurrend kam seine Partnerin hinter ihm her.

In der Zwischenzeit setzte Frau Elster zur Landung auf dem gelben Spielhaus des Gartens an .

Laut flötete sie:“ Du meine Güte, nichts ist mehr wie früher, ich kann beim besten Willen doch nix mit den beiden Kletterstangen hier anfangen, aber sie glänzen auch verführerisch....nur etwas zu groß sind sie.“ Für einen Moment setzte sie sich still auf das Dach , schaute in die Runde und flog mit großen Schwingen weg.

In der Hecke war wieder mächtig Krach und Lärm, die Meiseneltern hatte alle Hände voll zu tun, ihr Revier zu verteidigen. „Flieg du mal eben zu dieser Terrasse, ich hab da noch etwas gesehen für unser Nest, ich bleib derweil hier und pass auf.“, piepste Frau Meise aufgeregt zu ihrem Mann, der sich auch sofort in Richtung Terrasse begab.

 „Huch, da sitzen ja Menschen, was mach ich denn jetzt?“

Mit schnellen Flügeln kam er zu seiner Frau zurück. Diese fing sogleich wieder das Schimpfen an und meinte nur noch wichtig:“ Alles muss man allein machen hier.“

Mutig flog sie los. Die Menschen saßen still und schauten zu ihr, als Frau Meise ihr Ziel anflog. Schnell zupfte sie ein Stück watteartiges Etwas vom Dach.

 „ Nischt wie weg hier jetzt und ab nach Hause.“ Mit vollem Schnabel kam sie auf ihr Nest in der Hecke zugeflogen und ihr Mann zwitscherte bewundernd:“ Du bist so toll!“

Die Dämmerung zog allmählich über den Garten ein, die Sonne war hinab gesunken und die Nacht begann, ihre Schatten zu werfen.

Herr Amsel saß auf dem Giebel des Nachbarhauses, drehte sein Köpfchen hin und her und sang aus voller Kehle seine verschiedensten Liebeslieder die Tonleiter hoch und die Tonleiter wieder runter. Grimmig dachte er dabei:“ Und Morgen krieg ich dich, dann mach ich der widerspenstigen Zähmung , basta!“

Die Menschen räumten den Terrassentisch ab, schlossen ihre Tür und gingen wie die Natur um sie herum, ebenfalls schlafen.

Ein Wochenende vor dreißig Jahren....im schönen Erzgebirge

 

Jeden Freitag die gleiche Diskussion bei uns;

Vati stellt sich hin und fragt:“ Wer geht morgen früh zum Bäcker?“

Heike  , wie immer ruft bestimmt:“ Ich nicht!“

Ihre beiden Geschwister rufen:“ Aber wohl doch, wir haben uns die letzten beiden Male angestellt, du bist dran.“

„Nein, ich geh nicht.“

„Du bist aber an der Reihe.“

„Ich geh nicht.“

Vati beendet den Schlagabtausch und wer geht des morgens dann in der Früh noch vor sechs zum Faselbäck’......Heike reiht sich in die Schlange ein, logisch.

Nach diesem lustigen „Freitagspielchen“ geht  es weiter,

es ist Badetag und wer geht zuerst in die Wanne?

Irgendwann wird auch da sich einmal geeinigt und Vati lässt Wasser in die Wanne, sorgfältig öffnet er ein Beutelchen „Bölusan“ und streut das Badesalz in die Wanne.

Auf die Frage hin, warum wir eigentlich nie „Badusan“ nehmen, von wegen der Werbung, die jeden Samstag Abend nach dem Minikino kommt und in der eine ganze Familie fröhlich das Liedchen „baden mit badusan badusan badusan, baden mit badusan baaadusan“ die Tonleiter rauf und wieder runter singt, erklärt er akribisch:“ Erstens kostet das Beutelchen „Bölusan“ nur 25 Pfennige , zweitens riecht es aromatischer und drittens hinterlässt es keine Ränder an der Wanne, wenn man das Wasser wieder raus lässt nach dem Baden.“

Diana kommt indessen angeschlorkst ins Bad, den Kassettenrecorder in der Hand ,schließt das Gerät an und legt es sorgfältig auf das kleine Bänkchen, liebevoll Hitsch genannt im Erzgebirge. Das Baden kann beginnen.....Smokie fängt an, die Alice zu suchen und hinterdrein trällert der Secret Service, der ten’oclock-postman soll endlich den Letter

bringen....

Gegen sieben Uhr finden sich alle der Familie im Wohnzimmer ein, Lese-time ist angesagt, man schmökert in der „Freien Presse“ und der „Jungen Welt“, damit man informiert ist, in wie weit der Fünfjahresplan und wo geschafft wird und wie das Wetter morgen wird.

Halb acht erklingt im Fernseher die Melodie der „Aktuellen Kamera“ und nochmals wird uns eingehend erklärt, was los ist in unserer schönen Heimat und umzu....

Und dann , ja dann, es ist Zwanzig Uhr, das holde Gesicht unseres Publikumslieblings Petra Kusch-Lück kündigt unsere derzeite Lieblingsserie „Zur See“ an, jetzt kommt Action in’s Wohnzimmer, wir dürfen einmal in die Ferne schweifen, immerhin bis nach Kuba und teilhaben am Leben auf einem Schiff. Da kommen aber Sehnsüchte auf.....

Spätestens am Samstag Morgen, wenn man dann an die fünfzehn Leute vor sich hat beim Bäcker, nur um die obligatorischen Semmeln zu holen, ist man wieder auf dem Boden der Tatsachen....nützt ja all nix...

Unser Frühstück verlief immer gleich, man hatte die schwere Entscheidung zu treffen, schmiert mal jetzt Marmelade oder den total leckeren , überhaupt nicht harten, Kunsthonig auf sein Brötchen, dazu gab es Malzkaffee. Eine Kanne davon stand immer täglich bei uns auf der Küchenanrichte und klar, das Zeugs schmeckt auch kalt wunderbar und Mutti nahm das auch mal schnell zur Farbgebung in die dunklen Soßen.

Brause oder gar Vita-Cola kam uns nicht ins Haus. Wer keinen Malzkaffee mochte, der konnte immerhin eine Kanne Tee kochen, in den Geschmacksrichtungen Pfefferminze oder Hagebutte und wem es gar nach gänzlich anderem gelüstete, der hatte sich gefälligst in den Keller zu begeben, da standen genug Flaschen mit selbst eingemachten Säften von Brombeere, schwarze oder rote Johannisbeere oder Kirsche. Aber irgendwann hängt einem als Kind auch das zum Halse raus....

Samstag Nachmittag waren wir Kinder bei schlechtem Wetter wieder vor dem Fernseher anzutreffen. Es begrüßte uns stets um drei unser Professor Flimmrich und anschließend kam ein mehr oder weniger interessanter Film, wie die sowjetischen Märchenfilme, meist mit der Hexe Babajaga, die in ihrem Hexenhäuschen im Märchenwald saß und auf Iwan wartete oder typische DEFA-Filme wie „Ein Sonntagskind, das manchmal spinnt“.

Abends , kurz vor sieben das alltägliche Sandmännchen und immer die gleiche Prozedur, nur nicht hinschauen, wenn er den Sand streut. Zuvor sangen wir immer bei dem Lied mit und ehe das Sandmännchen erst auf Tour ging, da stand immer der Text „Gleich kommt unser Sandmännchen“, habt ihr das mal rückwärts gelesen? Wir haben es immer wieder geübt und ich kann es heute noch auswendig daher sagen. Pitiplatsch heckte zusammen mit Moppi, ich gebe es jetzt zu, ich mochte Moppi nie so recht, der war mir einfach zu träge und blöde, einen Schabernack aus, um unser liebes Schnatterinchen zu ärgern, aber letzten Endes ging Piti dann doch treu und brav in seinen Schlafpantoffel.

Hatte das Sandmännchen des Samstags seinen Sand gestreut, ging die bunte der Welt der Flimmerkiste weiter, zwar in Schwarz-Weiß, aber immerhin, es war Minikinozeit mit der Werbung. Gott, hab ich das geliebt!

Artur der Engel schwebte einher und kam mit seinem Regenschirmchen zur Erde um zu helfen, zwischendurch sang eine sonore Männerstimme „Aka-Elektrik, in jedem Haus zu Hause“ oder jedem DDR-Bürger wurde das Birkenhaarwasser wärmstens ans Herz gelegt.

Natürlich ging das bunte Programm weiter, wenn wir von der „Aktuellen Kamera“ einmal absehen und wir sangen fröhlich Shantys bei „Klock acht achtern Strom“ oder schmetterten anrißweise den Papageno aus der Zauberflöte bei Joachims Süßens Sendung „Das ist Musik für sie“ mit oder summten ganz verklärt mit der Nana Mouskouri ihre „weißen Rosen aus Athen“ bei dem bunten Kessel mit.

Beseelt konnte man dann zu Bett gehen mit der Gewissheit, ich kann morgen etwas länger schlafen.

Sonntag um zehn, es wurde dann aber nicht mehr lange gefackelt,

Adi pfiff mit seiner Trillerpfeife die DDR-Jugend zusammen, es wurde spielerisch in Mannschaften um den ersten Platz gekämpft. Ich habe mich jedes Mal gefragt, warum wohl unsere Schule nie im Fernsehen war und dachte stets, da dürfen eben doch nur die Besten hin.

Abends wieder Sandmann und diesmal schimpfte Herr Fuchs...verflixt und zugenagelt ...und öffnete mit knarrendem Geräusch seine Höhlentür, als er Frau Elster hörte, die mit flötender Stimme schon von weitem rief: “Mein Lieber, ich muss ihnen dringend erzählen, was da schon wieder im Märchenwald passiert ist.“

Das Wochenende war mich vorbei, wenn es neunzehn Uhr hieß, tele-lotto. Gespielt haben wir nie, gesehen haben wir die Sendung regelmäßig, denn es wurde ja nie nur getippt, nein, es kam ja zu jeder Zahl ein kleiner Beitrag und wir saßen immer aufgeregt auf dem Sofa hin und her rutschend, um das ja die Zahl 19 kam, dann war Minikrimizeit. Innerhalb von fünf Minuten wurde dann ein kriminelles Vorgehen gelöst, Gott wie spannend. Schön waren auch die Zahlen „Schlager“ oder „Volksmusik“, mal abgesehen, dass eigentlich immer ein damaliger Prominenter die Zahlen ziehen durfte, das allein war ja schon das Schauen der Sendung wert.

Erklang danach die Musik des Polizeirufes 110, war für mich Bettzeit angesagt und wieder war ein total aufregendes Wochenende vorüber.