Heike

Geboren als drittes Kind am 15.Mai 1965 in Schlema, im Erzgebirge

Ich habe noch eine ältere Schwester, Diana und einen älteren Bruder, Frank und bin weiß Gott nicht immer das "Nesthäkchen" gewesen.

Mein erstes Zuhause war die Bahnhofstrasse in Aue, in der Nähe des Klösterleins ,ältestes Gebäude meiner Heimatstadt (erbaut im 12. Jahrhundert!)

Ich besuchte die Kinderkrippe.

Ich war fünf Jahre alt, da zogen wir in die Poststrasse 13 um, ein fünfstöckiges Haus in mitten der Stadt am Busbahnhof gelegen. Stadtlärm gratis...

Mein Kindergarten war in der Brodaufstrasse, gern hin gegangen bin ich nie, sogar einmal gänzlich fern geblieben und hatte den ganzen Tag sozusagen "geschwänzt".

1971 kam ich in die Albrecht-Dürer-Oberschule,mein Schulweg betrug nicht mal fünf Minuten, ich konnte von unserem Kinderzimmerfenster aus einen Teil der Schule, des Schulhofes und der Sporthalle sehen.

Ich bin stets gern in die Schule gegangen, mir machte das Lernen viel Spass!

In den ersten Klassen war ich Gruppenratsvorsitzende, was einem heutigen Klassensprecher wohl gleich kommt.

Hobby's hatte ich viele in dieser Zeit, besuchte mehrere AG's und Sportclubs, wie Fechten, Leichtathletik oder auch Handarbeit.

Hängen geblieben bin ich dann mehrere Jahre im Auer Schwimmclub und im Russischzirkel meiner Schule.

Bis hin zum Ende der 7.Klasse war meine Welt ziemlich heile gewesen,

geändert hatte sich das dann, als man alle siebten Klassen aufteilte, um daraus zwei achte Klassen zu machen.

Aus meiner alten Klasse kamen lediglich noch drei andere Schulfreunde mit in die neue Klasse und das erste Mal in meinem Leben war ich völlig allein unter vielen anderen.

Ich habe mich abgesondert, ich wurde ruhig und zurückhaltend und habe nur gesprochen, wenn man mich ansprach und blieb allein für mich.

Das blieb so bis zum Ende der achten Klasse. Ich machte dann in den Sommerferien ein Schulpraktikum im Schulhort mit Ines, eigentlich das einzigste Mädchen noch von meiner alten Klasse und mit hinüber gegangen worden zur neuen Klasse und erst dann kamen wir uns näher,

so intensiv näher, dass wir ab da dann die besten Freundinnen wurden und es heute noch sind.

Mein eigentliches Wesen änderte sich allerdings nie mehr wieder, ich bin auch heute noch eher der zurückhaltende und ruhigere Typ, der eher andere auf sich zu kommen läßt.

Bis hin zur 10. Klasse betreute ich wieder mehrere ehrenamtliche Funktionen , wie Kassiererin, Agitator oder Kulturfunktionärin.

Ich fing an, mich für Jungen zu interessieren und war total in Rene verschossen, ein Junge aus meiner Klasse. Es ging ihm ähnlich, aber zu Schultzeiten haben wir es lediglich immer nur geschafft, bei Disko's miteinander zu tanzen....woran auch immer das bei uns beiden lag. Kurz zusammen gekommen sind wir dann nach der Schule.

In der neunten Klasse hieß es für alle, Berufswahl. Mein Traumberuf war Physiotherapeutin.Ich bewarb mich im Krankenhaus Aue für diese Stelle, das war damals die einzigste Möglichkeit. Ausgeschrieben waren zwei freie Stellen, beworben haben sich sechzig Mädchen. Ich kam bis unter die letzten drei Bewerberinnen und scheiterte dann am Vorturnen, da ich dann auf stur schaltete, gemäß meinem Wesen nun mal und dachte, was muss ich hier halbes Ballett tanzen, wenn ich Leute massieren will..

Alles um mich herum erzählte mir dann, mach einen Beruf mit Abitur, da ich sehr gute Noten hatte und man mir dann die Option eines Studiums nahe legte.

Ich bekam ein Heft mit allen Berufen mit Abi, die im Umkreis angeboten wurden, hatte aber keinerlei Vorstellungen.

Und so nahm ich den erst besten Beruf auf der Liste, Agrotechniker mit Abitur, mit dem Ziel, einmal Berufschullehrerin zu werden.

Ich machte dann schon einmal den Traktorenführerschein.

Die zehnte Klasse schloß ich mit Sehr Gut ab.

Meine Lehrzeit verbrachte ich in Karl-Marx-Stadt, was auch Internatleben bedeutete. Reinster Horror für mich im ersten Lehrjahr, zumal ich in der Praxis absolute Schwierigkeiten mit der großen Technik hatte.

Ich hatte ein absolut liebenswertes harmonisches Zuhause, ich habe in all den Jahren meiner Kindheit meine Eltern nie streiten gesehen oder gehört. Daher fiel es mir immer wieder ungemein schwer, jeden Sonntag Abend nach Karl-Marx-Stadt fahren zu müssen und es hat viele viele Tränen gegeben.

Unser Internat bestand aus Wohnungen. Ich war mit noch acht anderen Mädchen in einer Wohnung unter gebracht, es hatten immer drei Mädel ein Zimmer, gegessen wurde auch in der Wohnung, denn wir hatten noch eine Küche und großes Wohnzimmer mit hinzu.

Schön war immer das Belegen des Badezimmers bei neun Mädchen!!!!!

Alles in allem haben wir uns aber sehr gut verstanden in den drei Jahren, Streitereien hat es kaum gegeben untereinander.

Im Schlepptau hatte ich von Anfang an immer meine sogannte Freundin, Kati...war aber genauso gern mit allen anderen Mädchen zusammen, was Kati nie so recht akzeptieren konnte. Heute noch habe ich aus der Lehrzeit deshalb nicht mit Kati, sondern Evi Kontakt....

Die Schulzeit war in den drei Jahren immer sehr angenehm für mich, ich blieb gleichbleibend gut in meinen Ergebnissen.

Gegensatz war die Praxis, wo man dann unter den Lehrmeistern ganz schnell zu der Übereinstimmung kam, mich so selten wie nur möglich an die schwere Technik zu lassen. Ich habe einmal einen ganzen Tag gebraucht, um mit Traktor und Hänger in die Garage rückwärts zu stoßen....geschafft habe ich das nie!

Wohl gefühlt habe ich mich immer in der sogenannten "Handarbeitsbrigade", deren Brigadier ein älterer liebenswerter Mann mit Namen Richard war und der mich quasi unter seinen Fittiche nahm. Wir jäteten Unkraut in unserer großen Erbeerplantage, wir stapelten Stroh-und Heuballen in die Scheunen, wir sortierten Kartoffeln im Kartoffelsortierhaus usw. usw., einmal sind wir doch weiß Gott mit Mistforken auf ein frisch gemähtes Heufeld und haben dort das Heu per Hand gewendet....nun ja.

Wenn ich noch die Lehrgänge für Mähdrescher, Pflug oder Schwadmäher machen mußte,

an den Häcksler mußte ich dann schon nicht mehr, da ich ohnehin ein Pädagogikstudium aufnehmen wollte. 

Ich machte , wie alle, den Führerschein für LKW, welches einfach mit dazu gehörte zum Bestehen der Facharbeiterprüfung.

Bei unserem zweiten Erntefest kam dann irgendwann bei diesen Schmuseliedern mit Dämmerlicht Steffen, genannt "Sig", zu mir und Gott, was war ich selig an diesen Abend.Denn Sig war ein kleiner Traumprinz für mich.....er spielte damals in der Schulband mit, Saxophon und sah irgendwie aus wie Robin Gib von den Beegees. Angehimmelt im geheimen habe ich den schon während der Arbeit immer....im Traum wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass Sig einmal zu mir kommen sollte.

Diese Beziehung gestaltete sich allerdings als sehr schwer, da wir im Grunde beide sehr schüchtern waren und lange brauchten, um wenigstens eine gewisse Scheu abzulegen.

Ich weiß noch wie heute,

ich hatte Karten für die Faust-Vorstellung im Schauspielhaus in Karl-Marx-Stadt besorgt, wir hatten uns beide ganz niedlich angezogen, sprich ich im Rock und er in Cordhemd und schwarzer Jeans und da saßen wir nun vier Stunden lang und nicht einmal in der Pause redeten wir....

Er brachte mich dann zum Bus, Schweigen und dann war ich weg, schweigen....

Logisch, dass es dann nach Monaten auseinander gehen mußte.

Während der Lehrzeit entwickelte ich auch meinen eigenen Musikstil, der nicht mit der Mode mitschwamm. Ich fing an, mich für Folk und Blues zu interessieren und gab ein Monatsgehalt für eine LP von Neil Young, quasi auf dem Schwarzmarkt, aus.

Ende zweites Lehrjahr lernte ich per Zeitungsannonce meinen späteren Mann Ralf kennen. Wir Mädels aus der Wohnung machten uns einmal einen Spass und schrieben auf eine Annonce hin, in der acht "flotte Matrosen" Mädels suchten....nun ja, ich blieb halt übrig bei Ralf.

Es wurden viele Briefe hin und her geschickt und 1984/1985 zum Jahreswechsel fuhr ich mit dem Zug ganze dreizehn Stunden zur Insel Rügen, um Silvester mit Ralf zu verbringen und ihn reell zu treffen.

Es klingt hart,

aber gewiß kamen mitunter schöne Stunden ab da und trotzdem

das einzig Gute aus den zwanzig folgenden Jahren waren und sind meine drei Kinder!

Ich weiß auch gar nicht, wo soll ich anfangen mit diesen zwanzig Jahren und lohnt es sich überhaupt, darüber zu reden.....

Es ist im Endeffekt so mühsig, irgendwo Gründe zu suchen, warum man vor Jahren es so gemacht hat und nicht so,

ich hatte ja nach den drei Jahren in Karl-Marx-Stadt vor, nach Berlin zu gehen und an der Humboldtuni Berufsschullehrerin zu studieren,

getan hab ich es nicht....

tausend Gründe warum.

Ich bin auf die Insel Rügen gezogen, in die Nähe des Marineobjektes von Ralf, in dem er als Berufssoldat stationiert war.

Heute noch sehe ich mich mitten in der Nacht auf dem Bahnhofsgleis stehen, neben mir ein altes Köfferchen und auf dem Rücken meinen roten großen Rucksack. Mutti und Vati warteten mit mir zusammen auf den Zug, der mich nach Rügen bringen sollte für eine lange Zeit....

und dann hatte dieser verdammte Zug auch noch zwei Stunden Verspätung und meine Eltern meinten irgendwann zu mir, dass sie gehen müssten, da sie ja auch morgens in der Früh wieder raus müssten zur Arbeit und wir verabschiedeten uns,

ich spüre heute noch diesen Kloss im Hals....geweint haben wir alle drei still und leise und ich weiß heute nach so vielen Jahren, wie furchtbar meine Eltern gelitten haben unter dieser Trennung. Gelitten haben sie weitere zwanzig Jahre........

Ach, man sagt immer, wenn eine Trennung sehr unschön ablief, dann hatte man nur schlechte Tage in der Beziehung,

ich versuche einmal, realistisch zurück zu blicken und weiß dabei natürlich, dass nicht alles schlecht war in der Zeit mit Ralf.

Ich fuhr also zur Insel Rügen;

typisch und bezeichnend für meine spätere Zeit mit Ralf war, dass ich völlig allein da an kam und mit Koffer und Rucksack dann also in das LPG-Büro ging und sagte:" Da bin ich also." 

Ich bekam ein wahrlich tolles und vorallem "großes" Zimmerchen im Ledigenwohnheim, nun , man kann sagen, ein Tisch, ein Stuhl, ein Bett und ein Schrank waren drin, was will man denn mehr.....

Ich bekam gesagt, dass ich am nächsten Tag Spätschicht habe und wo ich mich denn einfinden solle und da saß ich nun,

kein Essen, kein Trinken, kein Wissen, woher bekommt man das, davon abgesehen, dass ich nicht sehr viel Geld bei mir hatte,

allein auf weiter Flur und das mir, die nun weiß Gott nicht gerade der "Springinsfeld" war und auf andere Leute unbedarft zugehen konnte. Meine Güte, was kämpfte ich mit mir, dass ich endlich am nächsten Morgen dann die gemeinsame Küche und den angrenzenden Wohnaufenthaltsraum betrat....und was soll ich sagen.....da war gar keiner....

Irgendwann kam eine schwangere junge Frau dann rein und zeigte mir mein Kühlschrankfach, Küchenschrankfach usw., erzählte mir andere wissenswerte Dinge und so fühlte ich mich nicht mehr gänzlich fremd, wenn auch ich danach sofort wieder in mein Zimmerchen lief , um meinen Puls langsam nach unten zu fahren und mit mir schimpfte, wie ich denn die nächste Zeit wohl da leben wolle in diesem Zustand....

Okay okay,

es wurde Mittag und ich begab mich zur Arbeit.